eBook-Tipp: Das kleine Café am Meer - eBook Spion
eBook-Tipp Das kleine Café am Meer

eBook-Tipp: Das kleine Café am Meer

Für die hübsche Hannah Blumberg, Assistentin in der Modebranche mit einer Vorliebe für teure Handtaschen, läuft es gerade gar nicht gut: Erst wird ihr Arbeitsvertrag nicht verlängert, und dann macht auch noch ihr Freund mit ihr Schluss. Per Mail.

Eins ist klar: Hannah braucht dringend eine bezahlbare Auszeit. Da kommt die Einladung von Freundin Lucia nach Mallorca gerade recht – Lucia hat ein Café mit Meerblick eröffnet und serviert den besten Kaffee der Insel. Sie vermittelt Hannah außerdem einen Job als Mädchen für alles in der Pension von ihrem Freund Sam. Zwischen Bettenbeziehen und Zeit mit der Freundin begibt Hannah sich auf Spurensuche – nach sich selbst, ihrer Kindheit und vielleicht auch dem Sinn des Lebens. Und dann wäre da noch Sam, der unnahbar und anziehend zugleich ist und ihr manchmal den letzten Nerv raubt. Er zeigt Hannah, wie Orangenblütenhonig schmeckt und hört ihr wirklich zu. Doch was verbirgt Sam und was diese Insel?

Leseprobe

Wenn das eigene Leben nicht so spielt wie erhofft, ist es dann möglich, neu anzufangen? An einem anderen Ort – zum Beispiel auf einer wunderschönen Insel?
Das Meer vor ihr glitzerte in der Sonne, als tanzten viele kleine Sterne darauf.
»Kommen Sie sofort zurück, das ist gefährlich!«, hörte Hannah eine Männerstimme unwirsch rufen.
Gefährlich? Leb wild und gefährlich, heißt es doch. Am liebsten hätte sie zurückgerufen: »Das ist doch fantastisch, dass mein Leben endlich wieder aufregend wird!« Stattdessen ignorierte Hannah den Mann in ihrem Rücken. Sie stand am vordersten Punkt einer Felszunge, die mindestens fünf Meter hoch aus dem Meer ragte. Das Wasser unter ihr funkelte in der Nachmittagssonne, der blaue Himmel Mallorcas spiegelte sich in dem glasklaren Nass, die Sonne tauchte die von Felsen umrandete Bucht in ein magisches Licht.
Sollte sie hier ein neues Leben anfangen, das tun, wovon so viele immer nur träumten? Auch ihr Vater hatte vom Aussteigen geträumt – der kleine Schneider, der in einer Fabrik arbeitete.
Spartanische Urlaube auf dieser Insel, das hatten sich ihre Eltern in ihrer Kindheit hier geleistet. Mallorca hatte ihn so fasziniert, dass er sein weniges Geld für diese zwei Wochen im Jahr mit der Familie zusammenkratzte.
Ihr naturweißer Plisseerock hatte beim Klettern einen Fleck bekommen, wie sie jetzt sah. Der Samt an den Absätzen ihrer roten Riemchensandaletten war durch die scharfkantigen Steine abgeschabt worden. Noch vor ein paar Tagen hätte sie das geärgert, da sie Stoffe und Kleidung liebte – wie ihr Vater –, aber jetzt, hier mit Blick auf das Meer, nach all dem Erlebten, war es ihr plötzlich gleichgültig. Einzig ihre Handtasche hielt sie fest am Griff, so fest, wie ihr Alltag in Berlin sie im Griff gehabt hatte.
Der Blick in die Weite lohnte die Mühe, bis an den äußersten Punkt geklettert zu sein, was mit Mitte dreißig und Absätzen nicht mehr so schnell ging wie mit fünfzehn in Ballerinas. Zu wenig Sport hatte sie die letzten Jahre betrieben, stattdessen zu viel gearbeitet – und gedankt hatte es ihr in dieser Branche der Schönen und Reichen niemand. Nicht ihr, der Frau mit dem verrückten, eigenwilligen Kleidungsgeschmack, die aus einfachem Elternhaus stammte und die gedacht hatte, sie könne es schaffen in dieser glamourösen Welt, in der vor allem Marken zählten. Einer Welt, die sich als weitaus weniger aufregend herausgestellt hatte als erwartet. Im Gegenteil. Ihr mangelte es an Charakter. Und noch mehr an Mitmenschlichkeit. Kinder in Indien oder Bangladesch färbten die Stoffe und niemanden interessierte es wirklich. So bekam das »bunt« eine andere Bedeutung.
Hannah sog die warme Luft ein. Das erste Mal seit Wochen fühlte sie sich wieder lebendig.

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