eBook-Tipp: Die Magie der letzten Wünsche - eBook Spion
eBook-Tipp Die Magie der letzten Wünsche

eBook-Tipp: Die Magie der letzten Wünsche

Er ist ein Träumer und Angsthase – aber trägt das Herz am richtigen Fleck. Und weil Kilian nirgends so richtig reinpasst, hat er schon wieder seinen Job verloren. Nächste Station: die Küche einer Seniorenresidenz. Genau dort findet Kilian seinen Platz und erobert die Herzen der alten Menschen. Ihm vertrauen sie sogar ihre letzten Wünsche an. Nicht für sich selbst – sondern für ihre Hinterbliebenen. Sei es als Trost, kleine Freude oder als saftige Abrechnung.

Doch als sein Freund Heinrich stirbt und dessen letzter Wunsch ausgerechnet mit seiner bezaubernden Enkelin Lea zu tun hat, steht Kilian vor dem größten Abenteuer seines Lebens.

Leseprobe

Diese Aussicht raubte ihm den Atem. Vom vierzehnten Stock aus blickte Kilian über die ganze Stadt – all die Häuser, Straßen und Bäume in Miniaturgröße. Die Welt, die sich sonst unübersichtlich und verschlossen anfühlte, lag ihm hier zu Füßen. Befand sich Kilian mitten im Gewühl der Stadt, fühlte er sich oft wie eine orientierungslose, komplett gestresste Ameise – er hetzte von A nach B, stand dabei ständig jemand im Weg, wurde überrannt und schien permanent zu langsam. Zu langsam für den Rest der Welt.
Von hier oben präsentierte sich alles offen, weit und grenzenlos. Hier schien alles möglich, die Welt wartete nur darauf, dass man sie erobern würde. Lag es an dem geschrumpften Ameisenhaufen zu seinen Füßen, dass Kilian sich größer, freier fühlte? Veränderte ein kleiner Perspektivwechsel so viel?
„Hallo?“
Selten sah Kilian die Welt aus dieser Perspektive. Aufgrund einer Vielzahl an Ängsten blieb er am liebsten mit beiden Füßen auf dem festen Boden der Tatsachen. Sonst wusste man ja nie, was alles passieren könnte! Rund achtzig Prozent aller tödlichen Unfälle, die sich im Haushalt ereigneten, waren Stürze. Da musste man nicht einmal auf einen Kran oder einen Baum klettern – es reichte offenbar ein Stuhl.
Dieser ungewöhnliche Perspektivwechsel war der Tatsache geschuldet, dass Kilian sich zwangsweise im Jobcenter einfinden musste. Im Büro seines langjährigen Beraters Bert Meierhofer im vierzehnten Stock. Doch Arbeitslosigkeit hin, Hartz IV her – Kilian kreiste mit seinen Gedanken durch andere Sphären. Diese Weite hypnotisierte Kilian, sie gab ihm das Gefühl, von hier oben aus wäre alles möglich. Sogar einfach die Arme auszustrecken und wie ein Vogel über die ganze Welt zu schweben. Was für eine Freiheit!
„Hallo???“
Mit einem lauten Knall zerplatzte die Traumblase. Kilian zuckte vor Schreck zusammen.
Bert Meierhofer war von seinem Schreibtischstuhl aufgesprungen und funkelte Kilian wütend an. „Ich habe Sie etwas gefragt?!“
„Äh.“
„Denken Sie denn, ich hätte nichts Besseres zu tun?!“
„Tut mir leid. Wirklich leid.“
Meierhofer wischte sich den Schweiß von der Stirn und ließ sich seufzend zurück in den Stuhl fallen. Mit Müh und Not brachte er seine ineinander verkeilten Kiefer auseinander und versuchte, tief Luft zu holen. Vor lauter Schnappatmung tanzten ihm Sternchen vor den Augen.
Dieser Kerl machte ihn wahnsinnig. Nicht nur, dass Kilian Engel alle paar Wochen bei ihm auftauchte, weil er schon wieder einen Job vermasselt hatte – dann hörte er nicht einmal zu. Als hätte das alles mit ihm nicht das Geringste zu tun.
„Also. Nochmal von vorne. Sie sitzen wieder hier. Arbeitssuchend. Was war denn dieses Mal das Problem? Wo waren Sie beschäftigt? Ah, Telefonhotline, verstehe. Also, raus mit der Sprache!“
„Also. Nochmal von vorne. Sie sitzen wieder hier. Arbeitssuchend. Was war denn dieses Mal das Problem? Wo waren Sie beschäftigt? Ah, Telefonhotline, verstehe. Also, raus mit der Sprache!“
„Von einem Moment auf den anderen … Schrecklich. Das tut mir alles ganz furchtbar leid … Ja. … Manchmal läuft im Leben wirklich alles schief, klar. Haben Sie denn sonst noch Familie? … Und wenn Sie sich mal wieder bei ihrem Bruder melden? Einfach so? … Sie haben doch nichts zu verlieren … Überlegen Sie …“
Mitten im Telefonat schob sich ein riesiger Schatten über seinen Schreibtisch und Kilian schwante nichts Gutes, als er den Blick hob. Natürlich – vor ihm stand Schichtleiter Schmitt.
„Und ansonsten könnte ich Ihnen auch noch eine Familien-Kaffeemaschine anbieten, zu einem sagenhaften Preis …“, beeilte sich Kilian.
Doch es war zu spät. Schmitt schüttelte nur kühl den Kopf. Kilian wusste, was das bedeutete.
„Es tut mir leid. Ich wünsche Ihnen trotzdem alles Gute für Ihre Zukunft.“ Und damit legte Kilian den Hörer auf.
Sofort holte Schmitt tief Luft – zur Sicherheit zog Kilian den Kopf ein.
„Ich muss Ihnen etwas mitteilen. Vermutlich wird Sie das sehr hart treffen.“
„Ja?“
„Wir sind hier nicht bei der Seelsorge. ÜBERRASCHUNG!“
„Ja, dessen bin ich mir … bewusst.“
„Daran habe ich berechtigte Zweifel. Wissen Sie auch warum?“ Kilian zuckte mit den Schultern – die Achterbahnfahrt war ohnehin nicht mehr aufzuhalten. „Weil Sie sich trotzdem im Kundengespräch so benehmen, als wären Sie Seelsorger – und nicht Verkäufer von Kaffeemaschinen.“

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