eBook-Tipp: Fünf Tage mit Dir - eBook Spion
Fünf Tage mit Dir eBook Tipp

eBook-Tipp: Fünf Tage mit Dir

Milla würde alles für einen Job in der renommierten französischen Werbeagentur tun. Sogar zu einem völlig Fremden ins Auto steigen. Tatsächlich bleibt ihr auch gar nichts anderes übrig, denn Züge und Flugzeuge haben sich gegen sie verschworen. Ein turbulenter Roadtrip quer durch Frankreich beginnt.

Innerhalb von fünf Tagen hebt der attraktive Jaro Millas Welt aus den Fugen, lässt sie auf Wolke sieben schweben und stößt sie in Abgründe. Schnell wird klar, dass es die Karriereplanung hier mit dem Schicksal aufnehmen muss.


Leseprobe

Ich habe alle Zeit der Welt. Massenhaft Zeit. Alles ist gut. Millas Gedanken kreisten, während sie am Tresen des Coffeeshops auf ihren bestellten White Mocca wartete.

Alle Zeit der Welt 

Trotzdem konnte ein Blick auf die Uhr ja nicht schaden. Es war gerade kurz vor zwei. Die S-Bahn fuhr um kurz vor halb drei. Ihr Flug startete um siebzehn Uhr. Milla hatte für alle Etappen ausreichend Puffer eingeplant. Genug Zeit, um noch einige White Moccas zu bestellen oder vielleicht eine Kleinigkeit zu essen.

Ihr Handy vibrierte und Milla zog es ein Stück aus ihrer geräumigen Handtasche hervor. Eine Nachricht von Ida. Sie überflog den Zweizeiler, bevor das Display sich wieder verdunkelte. Ihre Schwester wollte wissen, ob sie bereits unterwegs sei und wie die Nummer ihres Fluges laute. Milla verdrehte die Augen, musste jedoch gleichzeitig schmunzeln. Ida war immer so überfürsorglich. Sicher wollte sie die Flugnummer nur in Erfahrung bringen, um daheim am PC sicherstellen zu können, dass alles gut gegangen war. Dass Millas Flug nicht von Terroristen entführt worden oder irgendwo über Frankreich abgestürzt war.

»Der große White Mocca?«, hörte sie den schlaksigen Jungen hinter dem silberglänzenden Monstrum von Kaffeemaschine in diesem Moment rufen.

Milla ließ das Telefon zurück in die Tasche gleiten und streckte die Hand nach dem dampfenden Getränk aus. Doch im selben Moment, als ihre Finger den Pappbecher umschlossen, griff plötzlich noch jemand danach. Die fremde Hand berührte ihre und verharrte dann sichtlich unentschlossen in dieser Position. Millas Blick wanderte den Arm der anderen Person empor und sie musterte den Mann, der an dem Arm hing. Er war gute eineinhalb Köpfe größer als sie, hatte dunkelblondes Haar und einen leichten Bartschatten. Nicht die Art von Dreitagebart, die man sich absichtlich zulegte. Die kurzen Bartstoppeln erweckten eher den Eindruck, als würde sich der Mann täglich rasieren, hätte es heute aber nicht geschafft. Ihre Blicke trafen sich und seine zunächst erstaunte Miene wandelte sich rasch zu einem amüsierten Lächeln.

»Sorry«, sagte er. »Ich dachte, das wäre meiner.«

Milla erwiderte sein Lächeln. »Kein Problem«, versicherte sie ihm. »Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, ob das meiner ist.«

»Aber du warst schneller, also gehört er dir«, entgegnete der Fremde und deutete auf ihre Finger, die den Kaffee noch immer fest umklammerten.

Intuitiv zog Milla die Hand zurück und wusste prompt nicht mehr, wohin damit. Schließlich strich sie sich eine Strähne ihres kastanienbraunen Haares hinter das Ohr. Eine Geste, auf die sie stets zurückgriff, wenn sie nervös war. Seine dunklen Augen musterten sie indessen interessiert und sie spürte, wie sie unter diesem fast schon unangenehm eindringlichen Blick rot anlief. Auch war sie sich nicht sicher, ob sie es als sympathisch oder unhöflich einordnen sollte, dass er sie einfach so duzte.

»Also, wie gesagt«, wiederholte sie, »du kannst ihn gerne haben.«

»Leute, wenn jetzt nicht gleich einer von euch das verdammte Ding nimmt und Platz macht, werd ich das Gebräu trinken«, warf ein grimmig dreinschauender Mittsechziger in Malerkluft hinter ihnen ein.

Erst jetzt fiel Milla auf, dass sich mittlerweile eine ziemlich lange Schlange gebildet hatte, also schnappte sie sich den Mocca, warf dem Typen mit den dunklen Augen einen weiteren entschuldigenden Blick zu und huschte an ihm vorbei in Richtung der Sitzgelegenheiten am Fenster.

Um diese Tageszeit war am Mainzer Hauptbahnhof viel los. Es herrschte ein wildes Durcheinander aus Pendlern, Angestellten des Bahnhofs, Messebesuchern und Familien, die irgendwen vom Zug abholten oder dort hinbrachten. Das Ende der Sommerferien nahte. Alle waren braun gebrannt oder verbrannt, trugen Reisetaschen und Rucksäcke mit sich herum oder rollten gigantische Koffer neben sich her.

Milla ließ sich auf einen der freien Plätze fallen, froh darüber, noch einen ergattert zu haben, und schob ihren eigenen Koffer unter den rechteckigen Tisch. Ein sehr kleines Modell im Handgepäckformat. Daheim in Mainz hatte sie sich alle Mühe gegeben, Schuhe, Kosmetikutensilien und Outfits darin unterzubringen, ohne die Kleidungsstücke völlig zu zerknittern. Kein leichtes Unterfangen, aber Milla hatte nicht eingesehen, beinahe den doppelten Preis für den Flug zu bezahlen, nur um Gepäck aufgeben zu können.

Ein erneuter Blick auf die Uhr offenbarte, dass ihr noch immer etwa eine Stunde blieb, bis sie zum Bahnsteig aufbrechen musste. Sie wollte die Zeit nutzen, um sich weiter auf den bevorstehenden Termin vorzubereiten. Ihr letztes Vorstellungsgespräch lag Jahre zurück. Damals war sie frisch von der Uni gekommen und hatte keine Ahnung gehabt, was man bei solch einem Treffen zu bedenken hatte. Sie hatte es nicht ernst genommen, den Job allerdings trotzdem bekommen. Doch zu dieser Zeit hatte alle Welt händeringend nach Grafikdesignern gesucht. Insbesondere jene, die sich in Richtung Non-Print orientiert hatten. Das Internet wuchs und breitete sich im Leben der Menschen aus wie ein unkontrollierbarer Virus. Und Milla liebte diesen Virus. Sie war höchstgradig infiziert. Ihr Smartphone war für sie eine Verlängerung ihres Armes oder, besser gesagt, ihres Gehirns. Sie kaufte alles im Netz, lebte im Netz. Und sie leistete ihren Beitrag. Nachdem sie bereits viele Websites größerer deutscher und global agierender Firmen hatte gestalten dürfen, war ihr im letzten Jahr der große Coup gelungen. Eine zum damaligen Zeitpunkt noch relativ unbekannte soziale Plattform hatte ihr den Auftrag erteilt, die komplette Benutzeroberfläche zu designen. Das Projekt hatte ihr großen Spaß gemacht, aber das Beste daran war gewesen, dass eben diese Plattform wenig später richtig durch die Decke ging. Die Userzahlen waren binnen weniger Wochen in die Höhe geschossen und Milla unterschätzte ihre Rolle bei diesem Erfolg nicht. Im Gegenteil. Sie hatte vor, diese Karte auszuspielen. Sie war der mittelgroßen Mainzer Werbeagentur längst entwachsen. Es wurde Zeit für etwas Neues. Mit ihren neunundzwanzig Jahren, und obwohl sie eigentlich immer jemand gewesen war, der gerne auf Nummer sicher ging, fand sie es falsch, sich nicht einmal nach rechts und links umzuschauen. Sie hatte keine Kinder, keinen Freund und außer ihren Eltern und ihrer Schwester Ida kaum etwas, das sie an Mainz band. Ihre fünfzehn Minuten Ruhm, die sie durch die Mitarbeit an dem angesagten sozialen Netzwerk erlangt hatte, waren ihr Ticket für das nächste Level. Eine Veränderung. Ein neuer Job an einem anderen Ort mit neuen Perspektiven und Möglichkeiten.

»Darf ich mich dazusetzen?«

Milla schrak zusammen, als die Stimme sie aus ihren Gedanken riss. Sie blickte auf und erkannte den Mann aus der Schlange. Inzwischen hielt er seinen eigenen White Mocca in der einen und ein Smartphone in der anderen Hand. Über der Schulter hing ein sportlicher Rucksack.

»Äh …« Milla schaute sich hastig um, erkannte jedoch, dass es keinen anderen freien Platz mehr gab, und wollte kein Biest sein. »Sicher, kein Problem«, erwiderte sie freundlich.

Er ließ den Rucksack von der Schulter rutschen und stellte ihn auf dem Boden neben dem Tisch ab. Dann ließ er sich ihr gegenüber nieder, ohne sie dabei aus den Augen zu lassen.

Milla nippte an ihrem Kaffee und überlegte, ob er wohl erwartete, dass sie sich unterhielten. Die Antwort auf diese unausgesprochene Frage kam prompt, als ihr Gegenüber zu sprechen begann.

»Und? Bist du auf der Durchreise oder wohnst du in Mainz?«

Wieder dieses »Du«. Der Mann tat fast, als würden sie sich kennen.

Milla räusperte sich und entgegnete: »Ich wohne hier.«

»Eine schöne Stadt«, stellte er fest. »Ich war schon ein- oder zweimal hier. Ist allerdings schon ein paar Jahre her, und heute werde ich wohl nicht mehr viel von der Stadt sehen. Ich habe mich nur kurz mit meinem Bruder getroffen und fahre direkt weiter.«

Als Milla nichts erwiderte, hob er eine Augenbraue.

Sie zuckte mit den Schultern. »Ja, Mainz ist schon ganz nett. Allerdings plane ich, demnächst umzuziehen.«

Wieso erzählte sie ihm das jetzt?

»Ah, also nicht so der sesshafte Typ?«, mutmaßte ihr Gegenüber. »Und wohin soll’s gehen?« Er nahm seinerseits einen Schluck Kaffee.

Milla rückte auf ihrem Stuhl hin und her. Offenbar erkannte er, dass seine Fragen ihr unangenehm waren, und verzog den Mund zu einem versöhnlichen Lächeln.

»Sorry. Ich bin zu neugierig, richtig?« Er stellte den Pappbecher ab und verschränkte die Arme vor der Brust. »Das bin ich oft, habe ich mir sagen lassen. Ist wohl eine meiner Macken.«

Milla entspannte sich etwas. »Nein, schon in Ordnung. Es ist nur …« Sie zögerte.

»Nur was?«, fragte er aufmerksam. Seine dunklen Augen blickten sie ruhig an.

Sie presste die Lippen aufeinander und überlegte kurz. Dann gestand sie: »Ich bin wohl einfach ein wenig abergläubisch.«

»Wie darf ich das verstehen?«, hakte Dunkelauge nach.

Milla registrierte kleine Lachfältchen um seine Augen und fragte sich automatisch, wie alt er wohl sein mochte.

»Es ist so«, setzte sie an. »Ich habe ein Jobangebot, na ja, eigentlich bloß ein Vorstellungsgespräch.«

»Was machst du denn?«, entgegnete er, fügte jedoch eilig hinzu: »Wenn ich fragen darf.«

Sie grinste und schob sich eine Strähne hinter das Ohr. »Ich bin Grafikdesignerin. Genauer gesagt Webdesignerin.«

Das schien ihm zu imponieren, was ungewöhnlich war. Die meisten Menschen wussten auch heute noch nichts mit Berufen anzufangen, die unmittelbar mit dem Internet zu tun hatten. Der durchschnittliche User schien aus irgendeinem Grund zu glauben, dass Aussehen und Funktionalität einer Website per Knopfdruck erstellt wurden. Kaum jemand konnte sich vorstellen, dass dahinter echte Menschen steckten, deren technisches Know-how für das Ergebnis in Form einer App oder Website sorgte. Und wenn die Leute dann erfuhren, dass es tatsächlich Fachkräfte gab, die diese Art Beruf ausübten, fanden sie es langweilig, weil sie keine Ahnung hatten, was genau man als Programmierer, Grafikdesigner oder Serveradministrator eigentlich den lieben langen Tag tat.

»Es geht um einen Job in einer ziemlich coolen Firma«, fuhr Milla fort. »Eine sehr große, sehr bekannte Firma.« Eine unüberhörbare Portion Vorfreude schwang in ihrer Stimme mit.

Er nickte, offenbar aufrichtig interessiert. »Und du willst den Job unbedingt, wie es scheint?«

Sie schrumpfte in ihrem Stuhl. »Mehr als alles andere!«, gestand sie.

»Und die Firma ist in Frankfurt?« Er griff erneut nach seinem Becher. »Dann könntest du eigentlich weiter in Mainz wohnen. Es pendeln viele, soweit ich weiß.«

»Tja«, erwiderte Milla mit funkelnden Augen. »Tatsächlich hat die Agentur ziemlich viele Standorte. Zwei allein in Deutschland, aber die Stelle, für die ich zum Vorstellungsgespräch eingeladen bin, ist in Frankreich. In Montpellier, genauer gesagt.«

Wieder hob er eine Augenbraue. »In Frankreich? Wow … Das wäre eine ziemliche Veränderung.«

»Das wäre es«, bestätigte Milla und spürte, dass sie eine Gänsehaut überkam. Allein darüber zu sprechen, ließ sie vor Aufregung unruhig werden. Sie wollte diesen Job wirklich unbedingt!

Ihr Gegenüber überlegte kurz, dann erhellte sich seine Miene. »Ach, deswegen der Aberglaube.« Er lachte leise. »Du denkst, du bekommst die Stelle nicht, wenn du darüber sprichst.«

»Das ist albern«, gab sie zu. »Ich weiß.«

»Nein, ich verstehe das. Es wird real, wenn man es ausspricht, und wenn es dann nicht klappt …«

»Dann platzt der Traum«, vollendete sie seinen Satz.

Eine Bahnhofsdurchsage ertönte über ihren Köpfen und Milla warf automatisch einen Blick auf die Uhr. Zwanzig nach zwei.

»Halte ich dich auf?«, fragte er sie.

»Nein, nein. Ich bin nur nervös. Den Flieger darf ich nicht verpassen. Es war schon schwer genug, überhaupt einen zu bekommen. Offenbar ist Frankreich zu dieser Jahreszeit sehr beliebt.«

Er fuhr sich mit der Hand durch das Haar und erwiderte in sarkastischem Tonfall: »Frankreich? Im August? Das kann ich mir nicht vorstellen.«

Sie lachte und nahm sich zum ersten Mal, seit er sich zu ihr gesetzt hatte, die Zeit, den Mann genauer zu betrachten. Abgesehen von der fehlenden Rasur wirkte er sehr gepflegt. Er trug Jeans und schlichte Turnschuhe, dazu ein kurzärmeliges graues Shirt und eine Uhr mit einem Gliederarmband aus Edelstahl. Man konnte sofort erkennen, dass er Sport machte, aber er schien keiner von denen zu sein, die es als Lebensaufgabe ansahen, den perfekten Sixpack zu erreichen.

»Ich bin übrigens Jaro«, sagte er nun und Milla ging auf, dass sie ihn etwas zu lange schweigend angestarrt hatte. Eilig senkte sie den Blick und legte die Hände um ihren mittlerweile beinahe erkalteten Mocca.

»Milla«, entgegnete sie.

Er grinste breit. »Wie die Milla aus den Zombiefilmen?«

Sie sah ihn an und kniff die Augen zusammen. »Wie die Milla aus dem Videospiel.«

Auf der anderen Seite des Tisches wurde das Grinsen noch breiter. »Touché«, erwiderte er.

Der Blickkontakt hielt bedeutungsschwer lange an und Milla gefiel der Verlauf, den dieser Tag nahm. Sie fühlte sich frei und es schien, als sei plötzlich alles möglich. Sie konnte sich gar nicht mehr erinnern, wann sie das letzte Mal geflirtet hatte. Dabei sah sie gar nicht mal schlecht aus mit ihrer schlanken Figur, den langen Haaren und den großen grünen Augen. Lediglich ihre markante Nase hätte sie gern gegen eine andere getauscht, doch diese gab ihrem Gesicht immerhin etwas Eigenwilliges. Es war schön, von Jaro angelächelt und ganz offensichtlich interessiert betrachtet zu werden. Aber nach ihrer letzten Beziehung, die mittlerweile schon über zwei Jahre zurücklag und katastrophal geendet hatte, und mit all den Überstunden im Büro war die Suche nach einem Mann immer mehr in den Hintergrund getreten. Ihre Kolleginnen hatten fast alle schon Kinder oder waren verheiratet. Milla verspürte weder nach dem einen noch nach dem anderen großes Verlangen. Sie war eigentlich ganz gern allein und fand, dass für all das auch später noch genügend Zeit war.

»Wann geht denn dein Flug?«, fragte Jaro nun.

»Um fünf«, erwiderte sie und konnte sich einen weiteren Blick auf die Uhr nicht verkneifen.

»Du wirst lachen«, sagte er und strich sich mit den Fingern über die Bartstoppeln, »aber ich bin auch auf dem Weg nach Frankreich.«

Milla durchzuckte ein unangenehmes Gefühl. »Ach ja?«

»Auch ganz runter in den Süden«, fuhr er fort.

Was für ein Zufall, dachte sie skeptisch.

»Allerdings fahre ich mit dem Auto. Ist so eine Art Roadtrip. Wollte ich schon immer mal machen, und jetzt passt es ganz gut.« Ein seltsam bedrückter Ausdruck blitzte kurz in seinen Augen auf. »Daher habe ich meinen Kram ins Auto geworfen und bin los.«

»Klingt ziemlich spontan«, kommentierte Milla. Sie wurde das Gefühl nicht los, dass mit diesen plötzlich erwähnten Reiseplänen etwas nicht stimmte. Sicher, Zufälle gab es, aber das hier erschien doch ziemlich aus der Luft gegriffen.

»Ja, gelegentlich bin ich spontan«, erklärte Jaro zwinkernd. »Außerdem fahre ich unheimlich gern, besonders längere Strecken. Man sieht einfach mehr von der Landschaft. Beim Fliegen ist das anders. Wenn ich die Wahl habe, mit zweihundert anderen Menschen auf engstem Raum in einer Röhre aus Plastik und Metall zu sitzen oder allein im Wagen bei offenem Fenster Radio zu hören … Na ja, da fällt die Entscheidung leicht.«

Milla dachte über seine Worte nach und musste zugeben, dass Flugreisen tatsächlich ziemlich unbequem waren. Dafür würde sie bereits heute Abend in Montpellier ein Glas Wein in irgendeinem angesagten Restaurant trinken, während Jaro vermutlich bei Nancy seine erste Übernachtung in einem dieser lieblos ausgestatteten Etappenhotels einlegen würde.

»Kann ich nicht beurteilen«, entgegnete Milla. »Ich habe keinen Führerschein.«

Er machte große Augen. »Echt nicht?«

»War nie nötig«, erklärte sie achselzuckend. »Eine Monatskarte tut’s auch.« »Also, wenn du nach Frankreich ziehst«, er hielt inne und klopfte mit den Fingerknöcheln auf die hölzerne Tischplatte, »solltest du das aber unbedingt nachholen. Da drüben kann ein Schein schon nützlich sein. So ziemlich jeder Franzose hat ein Auto. Ein zerbeultes meist.« Er grinste sie schelmisch an.

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