eBook-Tipp: Jonah - eBook Spion
eBook Tipp Jonah

eBook-Tipp: Jonah

Wenn nichts ist, wie es scheint!

Emily freut sich auf den Sommer im alten Ferienhaus ihrer Großmutter. Jedes Jahr kommt sie nach Devlins Hope und genießt die Einsamkeit der kleinen Siedlung. Als jedoch plötzlich dieser Typ auftaucht, geraten Emilys Ferienpläne ins Wanken.

Jonah ist nicht nur impulsiv und sieht gut aus, seine Vergangenheit birgt außerdem ein großes Geheimnis. Ein Geheimnis, von dem Emily beschließt, es zu lüften!

Eine außergewöhnliche Geschichte zwischen zwei Menschen, die sich über Genregrenzen hinwegsetzt.

Leseprobe

»Lust, was zu unternehmen?«, fragt er mich ohne Umschweife und ohne auch nur Hallo zu sagen.
Ich kann nicht anders, als ihn fassungslos anzustarren.
»Ist das ein Nein?«, hakt er nach und grinst wieder so schief.
»Ich …«, setze ich an, weiß aber beim besten Willen nicht, was ich darauf erwidern soll. Meint er es ernst? Wir haben vor ein paar Tagen zwei Worte miteinander gewechselt und nun sind wir beste Freunde? Und wo kommt er jetzt auf einmal her? Wo war er die ganze Zeit?
»Wir können auch einfach weiter hier stehen und uns anstarren«, bietet er an. »Allerdings hatte ich eher an etwas, das ein wenig mehr Interaktion beinhaltet, gedacht. Ich habe gesehen, dass du ein Board hast«, sagt er, ohne meinen unverändert verwirrten Gesichtsausdruck zu beachten, und deutet auf mein Longboard, das neben der Tür an der Hauswand lehnt. »Wir könnten ins Dorf fahren und irgendwo was essen oder einfach nur rumfahren. Worauf du Lust hast.«
Er blickt mich fragend an, während ich mich räuspere und nach den richtigen Worten suche.
»Jonah«, beginne ich zaghaft.
»Super!«, fällt er mir ins Wort. »Du kennst meinen Namen noch. Das ist ein Anfang.«
»Jonah«, wiederhole ich und hebe eine Hand, um ihn zum Schweigen zu bringen, »wir kennen uns kaum. Um ehrlich zu sein, ich halte das für keine gute Idee …«
»Nur eine Stunde, oder zwei«, wirft er ein. »Wenn es dir keinen Spaß macht, darfst du mich ab morgen ignorieren. Versprochen.«
Ich grunze leise auf.
»Dich zu ignorieren, fällt leicht. Du bist ja nie da.«
Er hebt eine Augenbraue.
»Du hast nach mir Ausschau gehalten?« Er wirkt erfreut.
»Natürlich nicht«, wehre ich ab und spüre die Röte schon wieder in meinem Gesicht. »Ich wohne gleich nebenan. Da kriegt man eben mit, wer kommt und geht oder in deinem Fall«, sage ich mit zusammengekniffenen Augen, »wer nicht kommt und geht.«
Er zuckt mit den Achseln. »Hatte zu tun.«
»Und deine Großeltern?«, stochere ich weiter.
»Die sind …«, er hält kurz inne und wirkt plötzlich unsicher auf mich. Doch dann erhellt sich seine Miene und er verkündet: »Die sind auf Kreuzfahrt. In der Karibik. Oder irgendwo anders, wo man Drinks mit Schirmchen serviert. Hab’s vergessen.«
Ich runzele die Stirn. Entweder ist gerade Seniorenreisezeit und neben meiner Gran haben noch andere Pächter das Weite gesucht oder der Kerl lügt wie gedruckt. Auf keinen Fall werde ich mit ihm irgendwo hingehen. Vermutlich hält er die K.-o.-Tropfen schon bereit.
»Du bist nicht der Enkel der Carsons, nicht wahr«, platze ich heraus und beiße mir sofort auf die Lippen. Wenn ich recht habe, dann bekommt er jetzt vielleicht Panik und fesselt mich gleich hier an einen Stuhl.
Jedoch wirkt Jonah keineswegs panisch. Er sieht eher belustigt aus. Eine Hand wandert hinter seinen Rücken und ich halte erschrocken die Luft an. Irgendwie erwarte ich, dass er eine 9 mm zieht, doch er lacht bloß kopfschüttelnd und bringt ein abgegriffenes Portemonnaie zum Vorschein.
»Hier«, sagt er, nachdem er eine Weile darin herumgekramt hat, und hält mir seinen Ausweis unter die Nase.
Neben einem Foto, auf dem er ziemlich ernst und viel erwachsener als in diesem Moment auf mich wirkt, steht dort der Name »Jonah Alan Carson«. Ich schnappe nach der kleinen Karte, doch er zieht sie weg und steckt sie wieder in das Fach neben die Geldscheine. Dafür holt er nun ein zerknicktes Foto hervor. Er hält es hoch und erklärt: »Das bin ich, das sind meine Eltern, das sind meine Großeltern und aufgenommen wurde das Bild letztes Jahr drüben auf der Terrasse. Zufrieden?«, fragt er ungeduldig, jedoch nicht unfreundlich.
Ich begutachte die Aufnahme genau. Es stimmt. Ich erkenne das Haus der Carsons im Hintergrund und ihn natürlich auch. Den Rest der Familie kenne ich nicht, aber was macht das schon. Mehr Beweise kann ich wohl kaum verlangen.
»Schön«, sage ich schulterzuckend. »Dann bist du eben der Enkel der Carsons. Das bedeutet noch lange nicht, dass ich einfach so mit dir um die Häuser ziehe. Du kannst doch nicht einfach hier aufkreuzen und erwarten, dass ich alles stehen und liegen lasse, nur weil dir langweilig ist.«
Zufrieden über meine klare Ansage lehne ich mich gegen den Türrahmen und verschränke die Arme vor der Brust. Im selben Moment frage ich mich, wieso ich eigentlich so widerspenstig bin.
Jonah verlagert sein Gewicht ein wenig und späht an mir vorbei auf die Veranda. Bis zu seinem Auftauchen hatte ich dort gesessen und auf dem kleinen Tisch liegen noch eine Zeitschrift und ein halb aufgegessener Erdnussbutterschokoriegel.
»Du bist also schwer beschäftigt, ja?«, meint er und sieht mich mit hochgezogenen Augenbrauen an.

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